Themenstrecke publiziert vom Forschungsverband ANILIJ – Universität Vigo (Spanien) und vom Forschungszentrum MeTRa, Universität Bologna (Italien)
Wir sind alle verschieden und doch alle gleich(berechtigt). Unsere Unterschiede liegen im biologischen und sozialen Geschlecht, der sexuellen Orientierung, der sozialen Klasse, der ethnischen Herkunft, der Bildung, der Sprache usw. Aber wir alle sind Menschen. Eigentlich müssten wir alle die gleichen Rechte haben, doch leider kommen nicht alle Menschen in diesen Genuss. In vielen Regionen der Welt werden die Grundrechte mit Füßen getreten. Einige Fortschritte wurden indes in jüngster Zeit in Hinsicht auf die Anerkennung von Diversität und Gleichstellung erzielt.
Gleichstellung – also Nichtdiskriminierung in Bezug auf Behandlung, Status, Rechte und Chancen – heißt auch, jede und jeden so zu behandeln und zu unterstützen, dass sie die gleichen Chancen im Leben und den gleichen Zugang zu Ressourcen erhalten. Jede Person muss anerkannt, geschätzt und respektiert werden. Doch selbst wenn Gesetze verabschiedet wurden, die Gleichberechtigung gewährleisten sollen, ist diese formale Anerkennung noch keine Garantie für die substanzielle Achtung der Personenrechte.
Soziale, religiöse und geschlechtsbezogene Ungleichheiten sind tief in den meisten Kulturen und Gesellschaften verwurzelt und daher schwer zu überwinden. Um vor diesem Hintergrund auf aktuelle soziale und kulturelle Wandlungsprozesse zu reagieren, haben Kinder- und Jugendbücher versucht, jungen Leserinnen und Lesern Geschichten anzubieten, die auf Gleichstellung und gegenseitigen Respekt ausgerichtet sind und gegen diverse Formen der Diskriminierung wie Homophobie (Mi papá es un payaso), Transphobie (George; Mon frère, ma princesse), oder Geschlechterstereotypen (Mademoiselle Zazie; La déclaration des droits des filles; La déclaration des droits des garçons; Quante tante donne) angehen.
Dieser Trend in der Kinder- und Jugendliteratur stößt nicht selten auf großen Widerstand in der Gesellschaft, was zeigt, wie notwendig solche engagierten Bücher sind. Kinder- und Jugendliteratur kann durchaus eine sehr wichtige Rolle bei der Zurückdrängung von Geschlechterstereotypen, Diskriminierung, Gewalt und anderen (sexuellen, kulturellen, religiösen, ethnischen usw.) Vorurteilen spielen, die erhebliche Konsequenzen in der Gesellschaft haben, sogar in wirtschaftlicher Hinsicht.
Kinder- und Jugendliteratur kann zur Förderung der Achtung und Akzeptanz von Diversität, Inklusion und Nichtdiskriminierung beitragen. Durch die Benutzung einer einfachen, klaren und direkten Sprache können die in dieser Bibliografie enthaltenen Bücher den Lesenden die Komplexität der Diversität und ihre multiplen Dimensionen vor Augen führen und gleichzeitig hervorheben, dass Unterschiede keine Grenzen darstellen, sondern Schätze sind, die unsere Gesellschaft bereichern können. Im Fall der Genderfragen können Bücher z. B. helfen, die Erfahrungen von Kindern mit nicht-konformer Geschlechtsidentität zu validieren, indem sie aufzeigen, wie unerlässlich das Akzeptieren und Respektieren von Unterschieden ist (Nei panni di Zaff ; Buffalo Belle; Jacob’s new dress; Mehdi met du rouge à lèvres; ¿Qué es lo que quieren las mujeres?; Vrline mane). Darüber hinaus können diese Geschichten allen lehren, dass jeder Mensch so frei sein sollte, seine bzw. ihre Identität zum Ausdruck zu bringen und zu behaupten. Damit übermitteln sie eine wichtige Botschaft gegen Ausgrenzung und Mobbing – seien sie geschlechtsbedingt oder nicht (My princess boy; Felix’s new skirt; The sissy duckling; A boy named Queen; Federico il pazzo; Adesso scappa; Jane, le renard & moi; Max embête les filles; Oliver Button is a sissy; Cloud busting).
Bücher, die verschiedene Ansätze kombinieren (den Schwerpunkt etwa auf Gender und ethnische Zugehörigkeit, soziale Klasse, sexuelle Orientierung usw. legen), können zeigen, wie wichtig es ist, die Interaktion und Kooperation zwischen Personen unterschiedlicher Milieus oder Identitäten zu fördern. Sie können zur Sensibilisierung der jungen Lesenden für Unterschiede und für die immer noch in den verschiedenen Kulturen und Gesellschaften herrschenden Ungleichheiten beitragen. Einige Bücher zeigen z. B. die harten Lebensbedingungen von Mädchen und Jungen in benachteiligten Teilen der Welt (Malala/Iqbal; La fille du pays des neiges; Io sono Adila), oder sprechen über Diskriminierung, die auch in den westlichen Gesellschaften und Kulturen noch immer existiert (Questa non è una baby-sitter; Prestami le ali; Ruby tête haute). Manche Geschichten erzählen, wie die Frauen Rechte gewonnen haben, die ihnen lange Zeit verwehrt geblieben waren (Nina e i diritti delle donne), oder wie es ihnen gelang, in Berufen zu arbeiten, die vorher ausschließlich Männern vorbehalten waren (Mercedes quiere ser bombera; Marie Curie). Diese Geschichten ermutigen die Kinder zudem, ihr eigenes Verständnis von Gleichheit zu entwickeln, indem sie zahlreiche Facetten der Diversität positiv beleuchten: zum Beispiel Transidentität (Trans bird; Yo soy Mia ; 10,000 dresses; I am Jazz; Introducing Teddy), Homosexualität (Simón el topo; Cola de sirena), Behinderung (Il mondo è anche di Tobias; Mia sorella è un quadrifoglio), und interkulturellen Dialog (Писма от Феликс за пътуването с цирка / Letters from Felix; The colors of the rainbow).
Ein gutes Kinderbuch kann eine wertvolle Hilfe sein, um die Themen Gleichheit und Diversität anzusprechen, wenn es den jungen Leserinnen und Lesern vor Augen führt, dass wir alle gleich sind und dieselben Rechte haben.
Ausgewählte Bücher über Gleichstellung und Geschlechtervielfalt:
- Álvarez García, Luz, Pero, ¿qué es lo que quieren las mujeres? Everest, León, 2007.
- Andrés, José Carlos, Mi papá es un payaso. NubeOcho, Madrid, 2015.
- Bachelet, Gilles, Madame le Lapin blanc. Seuil jeunesse, Paris, 2012.
- Barbé i Serra, Alba, Cola de sirena. Bellaterra, Barcelona, 2016.
- Blackman, Malorie, Cloud busting. Corgi Yearling Books, London, 2005.
- Brami, Élisabeth, La déclaration des droits des filles. Talents Hauts, Paris, 2014.
- Brami, Élisabeth, La déclaration des droits des garçons. Talents Hauts, Paris, 2014.
- Brami, Elisabeth, Le zizi des mots. Talents Hauts, Vincennes, 2015.
- Brichzin, Kerstin, Felix’s new skirt. Minedition, Hong Kong, 2018.
- Britt, Fanny, Jane, le renard & moi. Editions de la Pastèques, Montréal, 2013.
- Capdevila, Paco, Azul y rosa. Gaviota, Madrid, 2000.
- Casalderrey, Fina, ¡Hola, estúpido monstruo peludo! Algar libros, Alzira, 2009.
- Cassidy, Sara, A boy named Queen. Groundwood Books, Toronto, 2016.
- Cohen-Janca, Irène. Ruby tête haute. Les éditions des éléphants, Paris, 2017.
- Crowther, Kitty, Poka et Mine: le football. L’école des loisirs, Paris, 2010.
- Čulina, Arijana, Vrline mane Mare bubamare.B.Z, Zagreb, 2013.
- D’Elia, Cecilia, Nina e i diritti delle donne. Sinnos, Roma, 2011.
- De Manuel Vicente, Carmen, Simón el topo. Bellaterra, Barcelona, 2011.
- De Paola, Tomie, Oliver Button is a sissy. Simon & Schuster, New York, 2017.
- Degl’Innocenti, Fulvia, Io sono Adila. Storia illustrata di Malala Yousafzai. Settenove, Cagi, 2015.
- Donoso Bailón, José Ignacio, Trans bird. Ópera Prima, Madrid, 2015.
- Douzou, Olivier, Buffalo Belle. Rouergue, Rodez, 2016.
- Dumortier, David, Mehdi met du rouge à lèvres. Cheyne, Devesset, 2006.
- Ewert, Marcus, 10,000 dresses. Triangle Square, New York, 2008.
- Fierstein, Harvey, The sissy duckling. Simon & Schuster Books for Young Readers, New York, 2002.
- Fine, Anne, Bill’s new frock. Egmont UK, London, 2017.
- Fritze Spagnoli, Elena, Il mondo è anche di Tobias. Lapis, Roma, 2009.
- Gallego, Laura, Las chicas somos guerreras. Planeta, Barcelona, 2010.
- García, Nerea, Yo soy Mia. Bellaterra, Barcelona, 2016.
- Gino, Álex, George, Scholastic, New York, 2017.
- Herthel, Jessica, I am Jazz. Dial Books, New York, 2014.
- Hoffman, Sarah, Jacob’s new dress. Albert Whitman & Co., Park Ridge, 2014.
- Juanolo, ¡Nos gustamos! Scena Edicions, Barcelona, 2004.
- Kilodavis, Cheryl, My princess boy; a mom’s story about a young boy who loves to dress up. KD Talent LLC, Seattle, 2009.
- Kuruvilla, Gabriella, Questa non è una baby-sitter. Terre di Milano, Milano, 2010.
- Lenain, Thierry, Mademoiselle Zazie et la robe de Max. Nathan, Paris, 2011.
- López Salamero, Lunila, La cenicienta que no quería comer perdices. Planeta, Barcelona, 2009.
- Maar, Paul, Los viajes de Paula. Takatuka, Barcelona, 2009.
- Masini, Beatrice, Mia sorella è un quadrifoglio. Carthusia, Milano, 2012.
- Moncó Rebollo, Beatriz, Mercedes quiere ser bombera. Bellaterra, Barcelona, 2004.
- Pennart, Geoffroy de, La princesse, le dragon et le chevalier intrépide. L’école des loisirs, Paris, 2013.
- Ramadier, Cédric, Attention aux princesses ! Albin Michel jeunesse, Paris, 2013.
- Rinaldi, Patrizia, Adesso scappa. Sinnos, Roma, 2014.
- Rinaldi, Patrizia, Federico il pazzo. Sinnos, Roma, 2014.
- Saint-Mars, Dominique (de), Max embête les filles. Calligram, Coppet, 2000.
- Salvi, Manuela, Nei panni di Zaff. Fatatrac, Firenze, 2015.
- Sánchez Vergara, María Isabel, Marie Curie. Alba, Barcelona, 2016.
- Sarfatti, Anna, Quante tante donne: le pari opportunità spiegate ai bambini. Mondadori, Milano, 2008.
- Scego, Igiaba, Prestami le ali. Storia di Clara la rinoceronte. Rrose Sélavy, Tolentino, 2017.
- Walton, Jessica, Introducing Teddy: a gentle story about gender and friendship. Bloomsbury U.S.A. Childrens, New York, 2016.
- Winter, Jeanette, Malala, a brave girl from Pakistan / Iqbal, a brave boy from Pakistan. Beach Lane Books, San Diego, 2014.
- Zambon, Catherine, Mon frère, ma princesse. L’école des loisirs, Paris, 2012.
- Zhihong, He, La fille du pays des neiges. Seuil jeunesse, Paris, 2013.
- Ланген, Анете (Langen, Annette) Писма от Феликс за пътуването с цирка (Letters from Felix about circus travel). Фют, София, 2015.
