G-Book-Glossar

Sex / biologisches Geschlecht

Das biologische Geschlecht einer Person umfasst die objektiv nachprüfbaren Geschlechtsorgane, -chromosomen und -hormone. Als weibliche Geschlechtsmerkmale gelten etwa Vagina, Eierstöcke, XX-Chromosomen und eine Vorherrschaft von Östrogenen. Männliche Geschlechtsmerkmale sind Hoden, Penis, XY-Chromosomen und eine Vorherrschaft an Testosteronen. Jedoch kann das biologische Geschlecht nicht immer eindeutig binär bestimmt werden. Bis zu 1,7 % der Weltbevölkerung sind in der Tat intergeschlechtliche Personen: Das bedeutet, dass diese Personen mit körperlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen, die weibliche und männliche Merkmale vermischen, z. B. wenn eine Person gleichzeitig männliche Genitalien und einen funktionierenden weiblichen Reproduktionsapparat aufweist.

 

Cisgeschlechtlich/Cisgender

Person, deren physische Merkmale stereotypen gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen. Ein Cis Mann ist z. B. eine Person, dessen biologisches Geschlecht männlich ist und der sich dem männlichen (gesellschaftlichen) Geschlecht zugehörig fühlt. Eine Cis Frau ist eine Person von weiblichem biologischem Geschlecht, die sich als dem weiblichen Geschlecht zugehörig betrachtet. Personen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können und sich verschieden fühlen, definieren sich als transgeschlechtlich.

 

Diversität

Diversität, Vielfalt – manchmal auch als Mischung der Geschlechter bezeichnet – bezieht sich auf die Position und Merkmale eines Individuums, die durch die sozialen Gruppen, denen es angehört, beeinflusst werden. Menschen unterscheiden sich nach Geschlecht (Sex und Gender), „Rasse“, Staatsangehörigkeit, Kultur, Religion. Lange Zeit war die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität lesbischer, schwuler, bi-, trans- oder intersexueller Menschen verpönt und mit sozialer Ausgrenzung geahndet. 1990 hat die Welt¬ge¬sund¬heits¬organisation (WHO) Homosexualität aus der von ihr geführten internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme entfernt. In vielen Ländern haben homosexuelle Paare inzwischen dieselben Rechte erlangt wie heterosexuelle Paare, d. h. zwei Männer oder zwei Frauen können heiraten und eine Familie gründen. Doch es gibt gleichzeitig noch viele Länder, in denen Homosexualität unter Strafe steht. Und selbst wenn ein Staat LGBTQ+ Personen Rechte einräumt, ist die Gesellschaft als Ganzes nicht immer bereit, diese Rechte anzuerkennen und Homophobie bleibt eine Realität. Die rechtliche und kulturelle Anerkennung von Transgender-Identitäten  ist in den meisten Ländern der westlichen und östlichen Gesellschaften sogar noch schwieriger und deshalb ist auch Transphobie noch weit verbreitet.

 

Feminismus/Feminismen

Gruppe von Bewegungen, deren gemeinsames Ziel das Erreichen der Gleichstellung von Frauen und Männern auf politischer, sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und rechtlicher Ebene, die Abschaffung von Ungleichheiten und die Förderung der Rechte der Frauen ist. Es gibt aktuell sehr vielfältige Ansätze, Analysen, Aktionsformen und Praktiken (deshalb wird manchmal der Pluralbegriff Feminismen bevorzugt). Feminismus – in seinen verschiedenen Formen – übersetzt sich in dem immerwährend aktuellen Kampf um den Aufbau einer Gesellschaft von cisgeschlechtlichen und transgeschlechtlichen Frauen und Männern, die unabhängig von Alter, Bildung, Herkunft, sozialem Milieu oder sexueller Orientierung gleichberechtigt ihre Qualitäten und Fähigkeiten entwickeln können.

 

Gender bending

Aktion, die darin besteht, die Grenzen zwischen den Geschlechtern (Gender)  zu verwischen und Stereotype zu dekonstruieren. Siehe auch „Genderfuck“: https://queer-lexikon.net/2017/06/15/genderfuck/

 

Gleichstellung der Geschlechter

Der Begriff Gleichstellung der Geschlechter verweist auf das Prinzip der Nichtdiskriminierung aufgrund von Sex oder Gender: Männer und Frauen müssen innerhalb der Gesellschaft die gleichen Chancen und Rechte haben und mit demselben Respekt behandelt werden. Die Rechte der Frauen müssten sich in verschiedenen Bereichen – bürgerliche und politische Rechte, Arbeit, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft – widerspiegeln. Doch Frauen werden in unseren Gesellschaften nach wie vor diskriminiert, wenn auch auf verschiedenen Ebenen und in mehr oder weniger flagranten Formen. Sichtbar wird diese Diskrimination am ungleichen Zugang zu grundlegenden sozialen Chancen wie z. B. Bildung, zu beruflichen Möglichkeiten oder öffentlichen Positionen. Diese Ungleichheit führt zur Zunahme der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Damit etwa die Ungleichheit im häuslichen Bereich abnimmt, müssen die heranwachsenden Generationen dazu erzogen werden, dass Frauen und Männer die häuslichen Arbeiten zu gleichen Teilen übernehmen.

 

Geschlechtsidentität

Die Geschlechtsidentität bezieht sich auf das (soziale) Geschlecht , dem eine Person sich zugehörig fühlt und festigt sich im Laufe ihrer individuellen Entwicklung. Während das biologische Geschlecht (Sex) auf biologischen Kriterien basiert, ist das soziale Geschlecht (Gender) ein soziales Konstrukt. Entsprechend ihrer Geschlechtsidentität kann eine Person als cisgeschlechtlich oder transgeschlechtlich definiert werden. Die Geschlechtsidentität leitet sich nicht aus dem biologischen Geschlecht ab und hat nicht unbedingt mit der sexuellen Orientierung zu tun. Geschlechtsidentität, Geschlechterrolle (die Art und Weise, wie eine Person von anderen wahrgenommen wird) und biologisches Geschlecht beeinflussen die gegenseitige Wahrnehmung der Menschen in der Gesellschaft.

 

Gender / soziales Geschlecht

Der Begriff Gender oder soziales Geschlecht bezieht sich auf die historische und soziale Konstruktion von Männern und Frauen, auf ihre Rollen und Beziehungen innerhalb der Gesellschaft. Das soziale Geschlecht wird im Sozialisationsprozess assimiliert und bezieht sich auf die kulturellen Vorgänge, die bestimmte Erzeugnisse, Technologien oder Verhaltensweisen als „männlich“ oder „weiblich“ definieren. Der Begriff Gender ist keine feministische Erfindung. Er wurde 1968 durch den amerikanischen Psychoanalytiker Robert J. Stoller in seinem Buch Sex and Gender: On the Development of Masculinity and Feminity geprägt und bezeichnet das komplexe Zusammenspiel von „Verhaltensweisen, Gefühlen, Gedanken und Fantasien, die mit den Geschlechtern verbunden aber nicht primär biologisch bedingt sind“. Damit konnte eine Unterscheidung zwischen Biologie (Sex) und Kultur (Gender) eingeführt werden. Seit Ende der 1960er Jahre wurde diese Idee von mehreren feministischen Theoretikerinnen übernommen und angepasst. Sie bildet die Grundlage der Frauenforschung, die die Frauen aus einem Zustand der Minderwertigkeit befreien und beweisen wollte, dass diese Position nicht naturgegeben, sondern Ergebnis einer jahrhundertelangen patriarchalischen Kultur ist.

 

Geschlechterbeziehungen

Beziehungen zwischen Individuen mit unterschiedlicher Geschlechtsidentität. Die Gesellschaften neigen dazu, die Geschlechter in eine hierarchische Beziehung zu setzen: Männer besetzen oft dominierendere – sprich: hegemonischere – Positionen gegenüber Frauen, deren Position oft in untergeordneter, diskriminierter und weniger dominant ist.

 

Geschlechterrollen

Durch vorherrschende kulturelle Normen gesellschaftlich festgelegte Aufgaben und Funktionen, die von Männern bzw. Frauen ausgeführt werden. Geschlechterrollen beeinflussen die Art und Weise, wie eine Person in der Gesellschaft von den anderen wahrgenommen wird.

 

Geschlechternormen

Gesellschaftliche Standards und Erwartungen, die festlegen, welche Verhaltensweisen, Berufe usw. für Männer und Frauen vermeintlich angemessen sind.

 

Geschlechterstereotype

Einfache Muster, die tief im kollektiven Bewusstsein verankert und logisch oder rationell nicht zu erklären sind. Diese insbesondere durch Medien, Werbung, soziale Netzwerke usw. weitergegebenen Klischees bestimmen unbewusst unser Verhalten und unsere Einstellungen. Geschlechterstereotype schreiben z. B. Frauen die Sorge um Haushalt und Familie zu, während den Männern die Ernährungsfunktion überlassen wird. Bricht eine Person diese Rollenzuschreibungen, wird sie in der Regel von der Gesellschaft diskriminiert. Weibliche und männliche Identitäten werden auf diametral entgegengesetzte und hierarchische Weise geschaffen: Frauen wären angeblich nicht fähig, Macht auszuüben, sie seien zögerlicher und es mangelte ihnen an Selbstvertrauen. Und Männer wären angeblich durchsetzungsfähiger und würden nur ungern ihre Gefühle zeigen.

 

Homophobie

Angst, Hass oder Diskriminierung gegenüber homosexuellen Personen.

 

Inclusion

Inklusion ist ein Prozess, der allen Menschen, egal welcher Herkunft, Geschlechtsidentität oder Fähigkeiten (z. B. für Personen mit Behinderung), die volle Teilhabe an der Gesellschaft erlauben soll. Inklusion betrifft die Bereiche Wirtschaft, Bildung, Kultur und Gesellschaftspolitik. Im Gegensatz zu Ausgrenzung und Diskriminierung strebt sie danach, jede Person ungeachtet aller Unterschiede wertzuschätzen und ihr einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Inklusion garantiert die Anerkennung der Identität und der Diversität einer Gruppe oder Organisation.

 

Intersektionalität

Intersektionalität ist ein soziologischer Begriff, der die Situation von Menschen beschreibt, die mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind. Der Begriff wurde 1989 von der afroamerikanischen feministischen Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw geprägt und diente dazu, die doppelte Diskriminierung schwarzer Frauen aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe hervorzuheben. Seitdem wird der Begriff Intersektionalität verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen gleichzeitig verschiedenen Formen der Diskriminierung und Unterdrückung ausgesetzt sind, die mit ihrer Geschlechtsidentität, sexuellen Orientierung, Herkunft, sozialen Klasse, Religion, ihrem Alter oder einer Behinderung zusammenhängen. Wenn man versteht, wie Diskriminierung sich überschneidet, kombiniert und verstärkt, kann man sie wirksamer anprangern und bekämpfen.

 

Intersexuell

Ein Oberbegriff für Menschen, deren Geschlechtsmerkmale (Genitalien, Keimdrüsen, Hormonspiegel, Chromosomen) weder typisch männlich noch typisch weiblich sind. Er umfasst eine Reihe atypischer Variationen des Geschlechts.

 

LGBTQ+

Kürzel für lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche, queere Personen und andere nicht-binäre sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten.

 

Rechte und Pflichten

Rechte: Grundlegende, universelle Ansprüche von Personen, die aufgrund ihrer Menschenwürde Respekt und Schutz verlangen.
Pflichten: Verpflichtungen oder Verantwortlichkeiten von Staaten, Institutionen und Einzelpersonen, diese Rechte zu respektieren, zu schützen und zu erfüllen, um sicherzustellen, dass sie nicht verletzt werden und in der Praxis schrittweise verwirklicht werden.

 

Sexismus

Im Allgemeinen gegen Frauen gerichtete Vorurteile und Diskriminationen, die auf dem biologischen Geschlecht beruhen.

 

Sexuelle Orientierung

Beschreibt, gegenüber welchem biologischen Geschlecht eine Person ein affektives und/oder sexuelles Verlangen verspürt. Heterosexuelle Personen fühlen sich vom anderen Geschlecht angezogen, homosexuelle Personen von Personen desselben Geschlechts. Bisexuelle Menschen verspüren eine Anziehung für beide Geschlechter.

 

Transgeschlechtlich / Transgender

Person, die ihrem Denken und ihrem Selbstverständnis nach einem anderen sozialen Geschlecht angehört als dem biologischen Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugewiesenen wurde, und die stereotypen sozialen Erwartungen demnach nicht entspricht. Eine Transfrau ist z. B. eine Frau, die bei der Geburt als Junge bestimmt wurde. Gelegentlich benutzen Transfrauen die Bezeichnung MtF (Abk. für Male to Female), was bedeutet, dass sie von einer männlichen Identität zu einer weiblichen Identität übergegangen sind. Transmänner benutzten den Begriff FtM (Abk. für Female to Male), der ihre Transition von einer weiblichen zu einer männlichen Identität bezeichnet. Manche transgender Personen entscheiden sich zu medizinischen Maßnahmen, einer von Spezialmedizinern begleiteten Hormontherapie oder Operation, damit auch ihr Körper dem sozialen Geschlecht entspricht, dem sie sich zugehörig fühlen.

 

Transphobie

Angst, Hass oder Diskriminierung gegenüber transgeschlechtlichen und in Bezug auf das soziale Geschlecht nicht konformen Personen.

 

Würde

Der inhärente, gleiche und unverletzliche Wert jedes Menschen, der moralische und rechtliche Ansprüche auf Respekt begründet, erniedrigende Behandlung verbietet und als Grundprinzip der Menschenrechte dient.