Eine positive Bibliografie in Hinsicht auf Geschlechterrollen und Geschlechtermodelle

Die G-Book-Bibliografie hat die Absicht, eine in Bezug auf Rollen und Modelle positive Kinder- und Jugendliteratur zu (be)fördern: eine offene, pluralistische, vielfältige, stereotypenfreie Literatur, die Respekt und Diversität begünstigt.

Diese Bibliografie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit der verschiedenen Projektpartner. Sie beruht auf folgenden gemeinsamen Kriterien:

  • Eine europäische und internationale Bibliografie: Die Bibliografie umfasst sowohl Bücher, die ursprünglich in einer der Partnersprachen geschrieben wurden, als auch übersetzte Bücher. Mit großer Sorgfalt haben wir ein Korpus von Texten, die aus der Perspektive der Geschlechterrollen und -modelle bedeutsam sind, zusammengestellt und deren Übersetzungen in den Partnersprachen recherchiert. Darüber hinaus enthält die Bibliografie auch Bücher, die in weiteren Sprachen veröffentlicht wurden: deren Notizen stehen auf Englisch und/oder in einer der Partnersprachen zur Verfügung.
  • Die Altersgruppen: 3–5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–14 Jahre und 15-18 Jahre. Für die Wahl dieser Altergruppen gibt es zwei Gründe:
    Zum einen sind sie im Prozess der Verinnerlichung der Geschlechterrollen und -performanzen besonders entscheidend. Zum anderen gibt es in der Schule keine etablierten Praktiken, um die Kinder und Jugendlichen für Genderfragen zu sensibilisieren.
  • Veröffentlichungszeitraum: Wir haben beschlossen, unsere Selektion auf Bücher zu begrenzen, die innerhalb der letzten fünfundzwanzig Jahre veröffentlicht wurden, noch aufgelegt werden und leicht erhältlich sind. Einige besonders bedeutsame ältere Texte, die jedoch immer noch aufgelegt werden, sind ebenfalls vertreten.
  • Literarische Gattungen: Fiktion, Sachbuch, Lyrik, Graphic Novel, Drama
  • Ästhetische und literarische Kriterien: Zu bestimmen, ob ein Buch aus ästhetischer und literarischer Sicht interessant und schön ist, kann sich als schwierige, heikle und kontroverse Aufgabe erweisen. Über diese Frage wurde in der Kinder- und Jugend­literatur lange debattiert und wir erheben keineswegs den Anspruch, eine eindeutige Antwort zu geben oder in diesem Bereich als „Richter“ des guten Geschmacks zu fungieren. Im Gegenteil: Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Auswahl wissentlich subjektiv, Stellung beziehend und offen ist und dass andere Menschen wahrscheinlich eine andere Auswahl getroffen hätten. Die in unserer Bibliografie enthaltenen Bücher unterscheiden sich im Hinblick auf literarische, expressive und ästhetische Lösungen stark voneinander. Ausgewählt wurden sie nicht nur aufgrund ihrer positiven Darstellung der Geschlechtermodelle, sondern auch, weil wir sie mögen. Aus unserer Sicht gehören sie alle berechtigterweise zu einer „idealen“ Bibliothek.
  • Geschlechtsidentität, -rollen und -darstellungen: Dieses Kriterium ist nicht leicht zu definieren. Unser Hauptziel bestand dennoch darin, positive Bücher in Bezug auf Genderfragen zu finden, d. h. Bücher, die diese Fragen ohne Umschweife und Stereotype angehen und in denen Mädchen und Jungen multiple und unkonventionelle Modelle und Darstellungen für junge Leser*innen finden können – Bücher, in denen der Akzent auf der persönlichen Entfaltung liegt, in denen Inklusion und Respekt gefördert und die Diversität und der einmalige Charakter eines jeden Individuums anerkannt werden.

Wir haben insbesondere versucht, mit unserer Selektion verschiedene Themen abzudecken, die wir für die Erziehung von jungen Leser*innen als grundlegend erachten: Identitäten; Familien und (multiple) Familienmodelle; LGBTQ+; Schule; Berufswege; Emotionen und Gefühle; Leidenschaften und Hobbies; Körper; Interkulturalität; Inklusion, Aktivismus, genderspezifische Gewalt, Sexualität.

Angesichts der Debatte zwischen einer engagierten Literatur – produziert von unabhängigen und militanten Verlegern, denen oft zur Last gelegt wird, ästhetischen und literarischen Aspekten nicht genügend Beachtung zu schenken – und einer weniger engagierten, von traditionellen oder Massenverlagen produzierten Literatur haben wir beschlossen, vorurteilslos Bücher aufzunehmen, die diese beiden Realitäten vertreten.

Die G-Book-Bibliografie ist ein laufendes Projekt. Sie wird nach und nach erweitert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie ist auch nicht als einzige Referenz zu verstehen, die das Recht beansprucht, darüber zu entscheiden, welche Publikation der Berücksichtigung würdig ist oder nicht. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass eine auf den oben genannten Absichten beruhende Bibliografie nicht als endgültig und einmalig betrachtet werden kann. Vielmehr muss sie sich ständig weiterentwickeln und für Vorschläge von Verlagen und Fachleuten aus Kultur und Bildung offen sein.

Dennoch möchten wir noch einmal den Mehrwert dieser ersten europäischen Bibliografie betonen, die den Akzent auf Mehrsprachigkeit und Multikulturalität, sowie die Übersetzung und den Austausch von Büchern über Grenzen hinweg. Wir glauben an ein vereintes Europa und an eine Literatur ohne Grenzen, die über die aktuelle Lage sprechen und sie verbessern kann, indem sie Werte wie Offenheit und Respekt der Diversität und der Einzigartigkeit eines jeden Menschen fördert. Diese Werte berühren von Natur aus junge Leser*innen, sie müssen gleichzeitig aber auch gelehrt und bestärkt werden, um die jungen Leser*innen dafür zu sensibilisieren.