Dieses Zimmer kann man nicht essen
Inhaltsangabe:
Nicol Hochholczerovás eindrucksvolles Prosadebüt beginnt als ausdrucksstarke, poetische Coming-of-Age-Geschichte und setzt sich im Sinne einer stilisierten Darstellung der ungleichen Beziehung zwischen einer zwölfjährigen Schülerin und einem fünfzigjährigen Kunstlehrer fort. Gefühle des Unverständnisses, des Andersseins und der pathologischen ersten Liebe, die in den Vordergrund gerückt werden, sind ein indirektes Zeugnis für den sexuellen Missbrauch der minderjährigen Erzählerin. In ihrem Debüt schöpft die Autorin aus ihren eigenen Erfahrungen, die sie verarbeiten musste. Ihr Hauptaugenmerk lag jedoch auf der literarischen Ästhetik der Erzählung. Die Beziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einer Schülerin, die sich über einen Zeitraum von sechs Jahren erstreckt, wird zu einem offenen Geheimnis in der Gemeinde und ihrer Familie. Das Buch ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der wir leben. Das Buch erregte in der Slowakei nicht nur wegen seines kontroversen Themas erhebliches Aufsehen, sondern auch, weil es aus der Perspektive der beiden Protagonisten geschrieben ist und es dem Leser überlässt, sich ein Urteil zu bilden. Es wurde inzwischen in mehrere europäische Sprachen übersetzt.
Herausgeben von: Gender Studies, o p.s. - Knihovna Jiřiny Šiklové

Beurteilung:
Hochholczerová verschont in ihrem Buch niemanden. Nicht ihre Eltern, ihren „Freund“ oder sogar sich selbst – die Hauptfigur. Sie zeigt die Faktoren auf, die zu dem toxischen Umfeld der Ungleichheit und Manipulation beitragen: einen ausbeuterischen Lehrer, der seine Macht missbraucht, die Eltern und Freunde des Opfers und ihr geringes Selbstwertgefühl, das der Ausbeuter ausnutzt. Sie erinnert uns daran, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt, sondern um eine Kultur, die solches Verhalten herunterspielt und dessen Folgen trivialisiert. Sie beschreibt offen eine persönliche Geschichte, in der wir die schwerwiegenden und lang anhaltenden Folgen für das Opfer und ihre eigene Verwirrung in einer Situation sehen, in der sie von jemandem, der sie eigentlich beschützen sollte, vollständig manipuliert wird.