Die unglaubliche Geschichte von Lavinia
Inhaltsangabe:
Diese Geschichte ähnelt – von ein paar kleinen Unterschieden abgesehen – der Geschichte vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern. Lavinia ist ein siebenjähriges obdachloses Kind in Mailand. Es ist Weihnachten. Lavinia versucht ihre Streichhölzer zu verkaufen, doch niemand möchte welche haben. Frierend und hungrig schläft sie auf der Straße ein. Gerade träumt sie von einem leckeren Essen, als sie von einem bremsenden Taxi aus dem Schlaf gerissen wird. Eine Fee steigt aus dem Taxi und schenkt Lavinia einen Zauberring, der Dinge verwandeln kann, allerdings in einen sehr wenig geschätzten Stoff: Kacke.
Herausgeben von: Centro MeTRa - Università di Bologna (Italy)

Beurteilung:
Diese Buch ist eine gut ausgehende witzige Umarbeitung der Geschichte vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern, die nicht für pingelige Leute geeignet ist, wie die Autorin gleich eingangs erklärt. Heute ist es ein Klassiker der italienischen Kinderliteratur. Sowohl Mädchen als auch Jungen lieben es für seine lustigen Situationen und seinen ironischen und unbekümmerten Umgang mit „Kacke“, dem wichtigsten Element der Handlung, das gleichzeitig auch einen großem symbolischen Wert besitzt. Zwischen den Linien liest man eine Kritik jener Population von Mailand in den 1980ern, die reich ist, sich jedoch weigert, einem armen ausgesetzten Kind zu helfen. Dank des Beistands der guten Fee entkommt Lavinia dem Tod, dem das Mädchen mit den Schwefelhölzern geweiht war. Sie benutzt den Ring, um jenen egoistischen Erwachsenen, die ihr unter keinen Umständen helfen wollten, ihren Willen aufzuzwingen, aber auch, um anderen bedrohten Mädchen und Jungen zu helfen. Am Ende wird Lavinia allerdings überheblich und verwandelt sich versehentlich selbst in einen Haufen Kacke. Zum Glück rettet der Liftboy sie aus dieser misslichen Situation und Lavinia lernt daraufhin, den Ring vernünftiger einzusetzen. Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist diese freundliche, mutige und rebellische weibliche Protagonistin, die sich aus ihrer schlechten Lage erlöst und dank der eigenen Fehler lernt, ihre Kräfte wohl zu dosieren und zu benutzen. (Erstveröffentlichung 1985 in Italien).