{"id":788,"date":"2026-08-06T09:52:42","date_gmt":"2026-08-06T07:52:42","guid":{"rendered":"http:\/\/gbook-rebuild.local\/mehr-dazu\/"},"modified":"2026-08-06T15:20:18","modified_gmt":"2026-08-06T13:20:18","slug":"mehr-dazu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/g-book.eu\/de\/ressourcen\/mehr-dazu\/","title":{"rendered":"Mehr dazu"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Warum sind Genderfragen in Kinder- und Jungendb\u00fcchern so wichtig? <\/strong><\/h1>\n<p>Kinder- und Jugendliteratur spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Geschlechtsidentit\u00e4ten von M\u00e4dchen und Jungen. Diese Tatsache wird von zahlreichen Studien belegt, die ebenfalls gezeigt haben, dass Kinder- und Jugendb\u00fccher oft Geschlechterstereotype oder sexistische Klischees enthalten und zu ihrer Verbreitung und Verst\u00e4rkung beitragen.<\/p>\n<p>Ein Stereotyp besteht darin, zu glauben, dass alle Personen einer Gruppe sich gleich verhalten, ohne dabei die individuellen Wesensz\u00fcge der einzelnen Personen zu ber\u00fccksichtigen. Sexismus, um genauer zu sein, beruht auf einer stereotypen Darstellung von M\u00e4nnern und Frauen. Geschlechtsbasierte Stereotype wirken wie kulturelle und soziale Konstrukte, die individuelle Charakteristika in zwei entgegengesetzte Kategorien zw\u00e4ngen (m\u00e4nnlich vs. weiblich), zwischen denen einen Hierarchie besteht. Geschlechterstereotype beeinflussen das Verhalten von M\u00e4nnern und Frauen, denn diese neigen dazu, sich den starren gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen.<\/p>\n<p>In zahlreichen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern herrschen noch immer die traditionellen Repr\u00e4sentationsmodelle der Geschlechtsidentit\u00e4ten vor. Sie verursachen und verst\u00e4rken die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und die daraus resultierende Gewalt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche dazu neigen, die ihnen pr\u00e4sentierten Modelle automatisch anzunehmen und sich jeweils mit Figuren ihres Geschlechts zu identifizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><em>Geschlechtsspezifische Trends in der Kinder- und Jugendliteratur<\/em><\/h2>\n<p>Im Zuge der Entwicklung von stark geschlechtsspezifischen Verlagsprojekten wurden M\u00e4dchen und Jungen als unterschiedliche Zielgruppen von Kinder- und Jugendliteratur identifiziert. Ein j\u00fcngerer Trend besteht in der Gestaltung unterschiedlicher, oft stereotyper B\u00fccher und Buchreihen speziell f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen. Generell gibt es ein gr\u00f6\u00dferes und vielf\u00e4ltigeres Angebot an M\u00e4dchen-B\u00fcchern, mehrere davon bieten auch positive Modelle und Darstellungen. Umgekehrt ist die Auswahl an B\u00fcchern f\u00fcr Jungen begrenzter, sowohl in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht. Erkl\u00e4ren lassen sich diese editorischen Trends damit, dass M\u00e4dchen Studien zufolge statistisch gesehen mehr lesen als Jungen.<\/p>\n<p>Damit verst\u00e4rkt die Kinder- und Jugendliteratur jedoch die starre Gegen\u00fcberstellung der Geschlechter zugunsten bin\u00e4rer und herk\u00f6mmlicher Modelle. Traditionell folgt die Darstellung der M\u00e4dchen der althergebrachten Unterteilung in \u201eEngelchen\u201c und \u201eKratzb\u00fcrste\u201c. So werden die meisten M\u00e4dchen als h\u00fcbsch, nett, r\u00fccksichtsvoll, sanft, \u00e4ngstlich, herzlich, empfindsam und wohlmeinend, teilweise aber auch als eifers\u00fcchtig, weinerlich und verw\u00f6hnt dargestellt. Ihre Taten und ihr Verhalten entsprechen dem dreifachen Imperativ, sch\u00f6n, gehorsam und aufmerksam zu sein. Jungen haben im Gegensatz dazu generell mehr Wahlm\u00f6glichkeiten: Sie sind stark, mutig, ungehorsam, pfiffig, egoistisch, abenteuerlustig, wild, unvorsichtig und selbstsicher. Die ihnen angedichteten Rollen und Verhaltensweisen bieten ihnen mehr Freiheit und lassen sie meistens selbstsicherer und verwegener erscheinen. Die Rollen der weiblichen Figuren beschr\u00e4nken sich auf Mutter, Gro\u00dfmutter, Lehrerin, T\u00e4nzerin, Prinzessin, Fee oder Hexe. Und selbst wenn die weiblichen Figuren einen Beruf aus\u00fcben, sind trotzdem sie diejenigen, die sich um Haus und Familie k\u00fcmmern. Die m\u00e4nnlichen Figuren spielen weitaus diversere Rollen: Sie sind Vater, Gro\u00dfvater, Zauberer, Ingenieur, Polizist, Bauherr, Maler, Musiker, Feuerwehrmann, Direktor, Arzt, Bankangestellter, Schauspieler, Wissenschaftler, Kapit\u00e4n, Forscher, Detektiv usw. Wenn sie von der Arbeit heimkommen, sind sie m\u00fcde und ruhen sich aus.<\/p>\n<p>Die folgende \u00dcbersicht fasst einige \u00fcber Kinder- und Jungendliteratur vermittelte geschlechterstereotype Gegensatzpaare zusammen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"127\"><strong>M\u00e4dchen<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\"><strong>Jungen<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Drinnen<\/td>\n<td width=\"127\">Drau\u00dfen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Passivit\u00e4t<\/td>\n<td width=\"127\">Aktivit\u00e4t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Privatsph\u00e4re<\/td>\n<td width=\"127\">\u00d6ffentlicher Raum<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"127\">Sch\u00f6nheit<\/td>\n<td width=\"127\">St\u00e4rke<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb ist es notwendig, eine in Hinsicht auf Geschlechterrollenmodelle positive Kinder- und Jungendliteratur zu f\u00f6rdern und M\u00e4dchen wie Jungen B\u00fccher zu bieten, deren Hauptfiguren mit den Geschlechterstereotypen brechen.<\/p>\n<p>Zwischen den einzelnen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern bestehen gro\u00dfe Unterschiede in der Behandlung der Geschlechtsidentit\u00e4ten in der Kinder- und Jugendliteratur. In L\u00e4ndern, die die Gleichstellung der Geschlechter anerkennen, ist die Produktion einer genderpositiven Kinder- und Jugendliteratur gel\u00e4ufiger. In mehreren L\u00e4ndern hingegen l\u00e4uft die Verbreitung dieser Art Literatur gerade erst an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><em>Warum ist G-Book wichtig? Inwieweit kann es zur \u00dcberwindung von Stereotypen beitragen?<\/em><\/h2>\n<p>Wie anderenorts erw\u00e4hnt, entspringt dieses Projekt der Erkenntnis der entscheidenden Rolle, die Kinder- und Jugendliteratur beim Erwerb und bei der Entwicklung der Geschlechtsidentit\u00e4ten spielt. Studien haben gezeigt, wie stark sich junge Leser und Leserinnen die Geschlechtermodelle und Geschlechterrollen zu eigen machen, die in den B\u00fcchern, die sie lesen, dargestellt werden. Meist verinnerlichen sie sie ohne jegliche kritische Distanz. Zwar entwickelt sich nach und nach eine literarische Produktion, die sich der Geschlechterproblematik bewusst ist und bestehende Stereotype zu verwerfen versucht, doch diese Produktion ist ungleich auf die europ\u00e4ischen L\u00e4nder verteilt. Zudem fristet sie oftmals eine Art \u201eNischendasein\u201c und erreicht die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen nicht.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sollte Kinder- und Jugendliteratur:<\/p>\n<ul>\n<li>Kindern und Jugendlichen helfen, Stereotype zu erkennen und zu \u00fcberwinden;<\/li>\n<li>Kindern und Jugendlichen vielf\u00e4ltige Geschlechtermodelle und Identit\u00e4tsdarstellungen bieten, die alle genauso w\u00fcrdevoll und akzeptabel sind;<\/li>\n<li>Kindern und Jugendlichen die Freiheit bieten, sich je nach pers\u00f6nlichem Geschmack und Vorlieben, Interessen, Charakter und F\u00e4higkeiten ein Bild von sich selbst zu entwerfen;<\/li>\n<li>Kinder und Jugendliche zur Achtung und Anerkennung von Unterschieden \u2013 seien sie kulturell, religi\u00f6s, k\u00f6rperlich oder in Bezug auf das soziale Geschlecht oder die sexuelle Orientierung \u2013erziehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die in der G-Book-Bibliographie enthaltenen B\u00fccher (be)f\u00f6rdern eine in Hinsicht auf Geschlechterrollen und -modelle positive Kinder- und Jugendliteratur, eine offene, pluralistische, vielf\u00e4ltige, stereotypenfreie Literatur, die zu gegenseitigem Respekt und Anerkennung von Diversit\u00e4t ermutigt. Eine der Herausforderungen des Projekts ist die \u00dcberwindung der bin\u00e4ren Unterteilung in B\u00fccher f\u00fcr Jungen und B\u00fccher f\u00fcr M\u00e4dchen. Dies kann erreicht werden, indem man ein m\u00f6glichst breites Spektrum an Texten bietet, die sich f\u00fcr M\u00e4dchen UND Jungen eignen und verschiedene Geschlechtermodelle, sowohl des eigenen als auch des anderen Geschlechts, vorstellen. Solche B\u00fccher beg\u00fcnstigen das kritische Denken von Kindern und Jugendlichen, indem sie ihnen helfen, sich nicht von Geschlechternormen einschr\u00e4nken zu lassen: Sie k\u00f6nnen frei w\u00e4hlen, wer und was sie sein wollen, und dies versetzt sie wiederum in die Lage, anderen das Erleben derselben Freiheit zuzusprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sind Genderfragen in Kinder- und Jungendb\u00fcchern so wichtig? Kinder- und Jugendliteratur spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Geschlechtsidentit\u00e4ten von M\u00e4dchen und Jungen. Diese Tatsache wird von zahlreichen Studien belegt, die ebenfalls gezeigt haben, dass Kinder- und Jugendb\u00fccher oft Geschlechterstereotype oder sexistische Klischees enthalten und zu ihrer Verbreitung und Verst\u00e4rkung beitragen. 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